Kinderzahnheilkunde

Die Kariesbehandlung bei Milchzähnen

Karies ist die häufigste Erkrankung des Mundraumes bei Kindern. Hervorgerufen wird sie durch die Bakterien im Zahnbelag. Ihr Stoffwechsel verarbeitet die Kohlenhydrate der Nahrung und erzeugt dabei Säuren, die aus der Zahnhartsubstanz Mineralstoffe, vor allem Kalzium, herauslösen. Zuckerhaltige Fertigprodukte und Getränke für Kinder fördern diesen schädigenden Abbauprozess, ebenso Lebensmittel aus weißem Mehl wie beispielsweise Kekse und Toastbrot. Auf diese Produkte sollte deshalb weitgehend verzichtet werden.

Eine weitere, wichtige Schutzmaßnahme ist die Remineralisierung der Zähne. Sie kann nur wirksam werden, wenn die bakteriellen Zahnbeläge regelmäßig und gründlich entfernt und die wichtigen Mineralstoffe Fluorid, Kalzium und Phosphat zugeführt werden. Bleibt diese Remineralisierung jedoch aus, entstehen Kariesschäden zuerst am Zahnschmelz (Initialkaries) – erkennbar als weiße Flecken (White Spots). Unbehandelt dringt die Karies vom Zahnschmelz über das Dentin bis zum Gewebe im Inneren des Zahnes (Pulpa) vor und zerstört ihn.

Doch nicht nur eine mangelhafte Mundhygiene und der häufige Verzehr zuckerhaltiger Speisen und Getränke erhöhen das Kariesrisiko. Auch die Fruchtsäuren in Säften und Früchtetees können die Zähne schädigen (Erosionen). Sie sollten daher stark verdünnt werden in einem Verhältnis von zwei Drittel Wasser zu einem Drittel Saft.

Anders als die bleibenden Zähne sind Milchzähne poröser. Ihr Zahnschmelz hat einen geringeren Mineralstoffgehalt, weshalb Karies sich sehr viel schneller ausbreitet. Da die Zahnschmelzschicht der Milchzähne im Vergleich zu den bleibenden Zähnen wesentlich dünner ist, der Zahninnenbereich unter dem Dentin (Pulpakammer) hingegen sehr viel größer, besteht die Gefahr, dass das Gewebe mit dem schmerzempfindlichen Zahnnerv rasch betroffen ist und umfangreiche Behandlungen notwendig werden, um den Milchzahn zu retten.

Die Behandlungsvorbereitung

Der Besuch beim Zahnarzt sollte positiv erlebt werden, auch oder gerade wenn das Kind aufgrund des Behandlungsbedarfes ängstlich und angespannt ist. Wir nehmen uns sehr viel Zeit, um das Vertrauen der kleinen Patienten zu gewinnen. Wir zeigen die Instrumente und Geräte und erklären einfühlsam, was wir tun werden. Wenn wir uns des Einverständnisses und der Unterstützung des Kindes sicher sind, nehmen wir die Behandlung vor.

Für kleine Patienten, die das erste Mal bei uns sind, erfolgt zuerst die Anamnese: wir befragen die Eltern nach dem Gesundheitszustand des Kindes, nach Medikamenten, die es einnimmt, nach der Ernährung und der Zufuhr von Fluorid.

Schonend und präzise: die Verfahren zur Kariesdiagnostik

Bevor wir die Zähne untersuchen, reinigen wir sie gründlich, um Beläge und Speisereste zu entfernen. Mithilfe einer stumpfen Zahnsonde und einem Mundspiegel überprüfen wir anschließend vorsichtig alle Zahnoberflächen auf kariöse Defekte.

Manchmal tritt Karies an schwer einsehbaren Stellen wie den Zahnzwischenräumen auf. Für die exakte Diagnose erstellen wir digitale Bissflügelaufnahmen. Unsere moderne Röntgentechnik bietet gleich mehrere Vorteile: die Strahlendosis ist sehr viel geringer als beim klassischen Röntgenverfahren und belastet somit weitaus weniger den Organismus des Kindes. Eine leistungsstarke Röntgensoftware unterstützt uns dabei, die sofort verfügbaren digitalen Aufnahmen zur Diagnosestellung genauestens zu analysieren.

Karies kann sich auch unter der scheinbar gesunden Zahnschmelzschicht der Kauflächen entwickeln, insbesondere in ihren feinen, aber tiefen Rillen, den Fissuren und Grübchen. Diese Form der Karies spüren wir mit dem Laserfluoreszenzverfahren auf. Karieserkrankte Zahnhartsubstanz fluoresziert im Vergleich zu gesunder Zahnhartsubstanz mit einem Licht anderer Wellenlänge. Die Kauflächen werden mit dem Laserlicht einer Sonde bestrahlt, die gleichzeitig das fluoreszierte Licht sammelt. Das von uns verwendete Gerät DIAGNOdent® ermittelt daraus einen Messwert, durch den wir erkennen können, ob eine Karies vorliegt.

Schmerzfrei behandeln durch Betäubung oder Narkose

Kinder empfinden Schmerz anders als Erwachsene: sie nehmen ihn intensiver wahr, die Schmerzhemmung ist noch nicht entwickelt, Ängste und erinnerte frühere Schmerzerlebnisse verstärken den aktuell gefühlten Schmerz. Eine garantiert schmerzfreie bzw. äußerst schmerzarme Versorgung ist deshalb unabdingbar, um überhaupt behandeln zu können und gleichzeitig zu verhindern, dass sich eine generelle Angst vor zahnmedizinischen Untersuchungen und Behandlungen entwickelt und manifestiert.

Für eine Kariesbehandlung wird der betreffende Bereich betäubt (Lokalanästhesie). Ausgezeichnet bewährt hat sich die computergesteuerte Lokalanästhesie mit dem Gerät The Wand®/der Zauberstab: seine präzise und zeitlich abgeglichene Dosierung verringert den typischen Druckschmerz im Gewebe.

Sind die Kariesdefekte sehr umfangreich und gleich mehrere Zähne zu versorgen, empfiehlt sich eine Behandlung unter Narkose. Gleiches trifft auf Kinder zu, die sehr ängstlich sind. Vor dem eigentlichen Behandlungstermin führen unsere spezialisierten Anästhesisten (Narkoseärzte) mit den Eltern ein ausführliches Aufklärungsgespräch. Sie erläutern den Ablauf der Narkose und informieren die Eltern darüber, was von ihnen vorbereitend beachtet werden muss.

Mehr Informationen zu diesen Themen finden Sie hier:

Betäubung & Narkose

Die Füllungsmaterialien

Für die Füllungen im Milchzahngebiss verwenden wir nahezu immer Komposite. Nur in Ausnahmefällen, wenn diese Versorgung nicht möglich ist, der betroffene Zahn schon bald ausfallen wird, setzen wir auch Zemente ein, sogenannte kunststoffmodifizierte Glasionomerzemente (KGIZ).

Die zahnfarbenen Komposite bestehen aus 20 bis 40 Prozent Kunststoff, der mit Quarz-, Glas- und Keramikteilchen vermischt wurde. Eine Kompositfüllung ist für den vorgesehenen Versorgungszeitraum bestens geeignet: sie ist verschleißbeständig, hält der Kaudruckbelastung sehr gut stand und ermöglicht Zahnreparaturen bei Seiten- und Frontzähnen.

So läuft die Behandlung ab:

Einer beginnenden Karies (Initialkaries) kann mithilfe gezielter Prophylaxemaßnahmen in unseren Praxen und zuhause entgegengewirkt werden. Eine Remineralisierung der entmineralisierten Stellen des Zahnschmelzes ist möglich.

Kariesdefekte des Zahnschmelzes und des darunterliegenden Dentins behandeln wir mit einer Füllungstherapie. Nach der lokalen Betäubung bzw. unter Narkose wird zunächst der Zahn gereinigt, danach werden die karieserkrankte Zahnhartsubstanz und eventuell vorhandene Reste alter Füllungen schonend entfernt. Hierfür verwenden wir einen Löffelexkavator, den Laser oder Turbine und Bohrer. Diese Füllungsvorbereitung ist minimalinvasiv: es wird nur so viel Zahnhartsubstanz wie unbedingt nötig abgetragen, mehrere Defekte am gleichen Zahn werden getrennt versorgt.

Um ein einwandfreies Füllungsresultat zu erzielen, legen wir den Zahn trocken. Im Zahnzwischenraum setzen wir eine Matrize ein, um die Füllung exakt gestalten zu können. Anschließend wird die vorbereitete Oberfläche chemisch angeraut; so ist gewährleistet, dass die Kompositfüllung später sehr gut im Zahn verankert ist. Der anschließend aufgetragene Haftvermittler (Adhäsiv), eine Art Kleber, erzeugt einen festen Verbund zwischen der Zahnhartsubstanz und dem Komposit. Wir bringen in den vorbereiteten Zahnbereich das Komposit in feinsten Schichten ein, die jeweils mit dem Licht einer Polymerisationslampe bestrahlt und so ausgehärtet werden.

Ist die Lichtpolymerisation abgeschlossen, entfernen wir die Matrize und kontrollieren die Kontaktpunkte zu den Nachbarzähnen sowie den Zusammenbiss von Ober- und Unterkiefer (Okklusion). Wenn nötig, konturieren wir die Füllung, indem wir sie beschleifen bis der gefüllte Zahn und der Gegenzahn wieder perfekt ineinanderpassen. Die Kompositfüllung wird glatt poliert, damit sich Zahnbelag nicht so leicht festsetzen kann. Um den behandelten Zahn zu remineralisieren, tragen wir abschließend ein fluoridhaltiges Präparat auf. So ist der Zahn wieder rundum geschützt.

Bester Schutz: die Kariesprophylaxe

Zukünftig Karies vorzubeugen, ist das wohl wichtigste Ziel einer Kariesbehandlung. Statt lediglich vorhandene Defekte zu reparieren, möchten wir Kindern und Eltern dabei helfen, die Zähne dauerhaft kariesfrei und gesund zu erhalten. In unseren Behandlungsgesprächen beraten wir darum die Eltern umfassend und empfehlen für ihr Kind:

  • eine ausgewogene, vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung sowie Ernährungsgewohnheiten, die die Zahngesundheit fördern
  • eine ausreichende, korrekt dosierte Fluoridzufuhr
  • eine regelmäßige und sorgfältige Mundhygiene
  • die Teilnahme an allen Vorsorgeuntersuchungen und ergänzend an einem individuellen Prophylaxeprogramm

Tipps: Gesunde Milchzähne sind der beste Schutz für die bleibenden Zähne. Karies ist vermeidbar. Wir unterstützen Sie gern bei allen Fragen zur Zahngesundheit Ihres Kindes. Weitere Informationen und Hinweise dazu:

Vorsorgeuntersuchung & Prophylaxe
Zahnpflege bei Kindern
Zahngesunde Ernährung

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