Kinderzahnheilkunde

Vorsorgeuntersuchungen und Prophylaxe für Kinder bis sechs Jahre

In keinem anderen Lebensabschnitt entwickelt und verändert sich der Mundraum eines Menschen so schnell wie in den ersten Lebensjahren. Kieferwachstum und Zahndurchbruch verlaufen parallel zu anderen großen Entwicklungsschritten: das Kind lernt Lippen, Zunge und Zähne zu gebrauchen.

Gesunde Milchzähne sind der beste Schutz für die bleibenden Zähne. Karies ist eine Infektionskrankheit: Kariöse Milchzähne stecken die nachfolgenden bleibenden Zähne an, die bereits im Kiefer angelegt sind. Milchzahnverluste durch Karies können Fehlstellungen der bleibenden Zähne hervorrufen, weil die Milchzähne auch als Platzhalter dienen. Fehlen sie, dann kippen die Nachbarzähne in die Zahnlücken oder verändern ihre Position innerhalb der Zahnreihe. Die nachfolgenden Zähne erscheinen deshalb später nicht an ihrem vorgesehenen Platz, was wiederum durch kieferorthopädische Behandlungen korrigiert werden muss.

Gesunde Milchzähne sind eine wichtige Voraussetzung, damit sich das Kind sehr gut entwickeln kann. Ohne Schwierigkeiten kauen, problemlos Sprechen lernen und Laute formen, die Welt auch mit dem Mund ertasten und erfahren – das ist nur mit gesunden Milchzähnen möglich. Zahnfehlstellungen und Kieferprobleme wie der „offene Biss“ oder eine Mundatmung sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden, ebenso wie Erkrankungen der Zähne und des Zahnfleisches, denn sie schwächen das Immunsystem des Kindes und beeinträchtigen so seine allgemeine Gesundheit.

Prävention ist der beste Weg zur Gesunderhaltung der Zähne. Darum bieten wir Kindern wie Eltern einen umfassenden Schutz mit unseren Prophylaxeprogrammen und den Vorsorgeuntersuchungen an.

Die Vorsorgeuntersuchungen

Nach dem Durchbruch des ersten Milchzahnes ab dem sechsten Lebensmonat ist die erste der zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen vorgesehen. Von diesem Zeitpunkt an sollten sie jeweils im Abstand von sechs Monaten durchgeführt werden. Die Vorsorgeuntersuchungen sind kostenfrei.

Seit Mitte Oktober 2009 erhalten Eltern für ihr neugeborenes Kind zusammen mit dem Vorsorgeheft den Berliner Kinderzahnpass. So können sie alle Untersuchungstermine ihres Kindes bis zum Alter von sechs Jahren überblicken und die Teilnahme durch die Zahnarztpraxis bestätigen lassen. Kinder, die noch keinen Kinderzahnpass haben, bekommen ihn in unseren Praxen.

Die Vorsorgeuntersuchung zielt auf die Gesunderhaltung und die positive Entwicklung des gesamten Mundraumes. Regelmäßig durchgeführt, erspart die Früherkennung dem kleinen Patienten aufwendige Behandlungen, da Erkrankungen, Fehlentwicklungen und Risiken rechtzeitig entgegengewirkt werden kann. Dafür führen wir unterstützend prophylaktische Maßnahmen durch, die flexibel auf die Probleme des kleinen Patienten abgestimmt sind.

Wir sind auf die Bedürfnisse unserer kleinen Patienten eingestellt. Um Angstgefühlen vorzubeugen, untersuchen und behandeln wir in einer kindgerechten, entspannten Atmosphäre. Spielerisch und mit viel Geduld erläutern und zeigen wir alles, was wir an Geräten und Instrumenten einsetzen und wie wir vorgehen wollen. Auf diese Weise versichern wir uns der Unterstützung durch das Kind. Wir behandeln selbstverständlich schmerzlos bzw. äußerst schmerzarm.

So läuft die Vorsorgeuntersuchung ab:

Zu Beginn erfolgt die Anamnese: wir befragen die Eltern nach der allgemeinen Gesundheit des Kindes, nach Krankheiten, Allergien und ob Medikamente eingenommen werden, außerdem nach der Fluoridzufuhr, den Ernährungsgewohnheiten und der täglichen Zahnpflege.

Bevor wir den Mundraum untersuchen, betrachten wir den Gesichtsbereich, um zum Beispiel mögliche Veränderungen der Kieferstellung oder der Lymphknoten feststellen zu können. Wir überprüfen den Gesundheitszustand von Zähnen, Mundschleimhaut, Zunge, Gaumen, Kiefer und Kaumuskulatur. Da diese Untersuchung jeweils halbjährlich stattfindet, können wir frühzeitig helfen, wenn die Zahnung schwierig verläuft, Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) oder Zahnfehlstellungen auftreten oder aber mehrere entmineralisierte Stellen des Zahnschmelzes auf ein erhöhtes Kariesrisiko des Kindes hindeuten.

Wenn sich die ersten bleibenden Backenzähne (Sechsjahresmolaren) zeigen oder umfangreiche Kariesdefekte vorliegen, führen wir ergänzend mikrobiologische Tests durch. Mithilfe der Tests können wir die Konzentration der kariesauslösenden Bakterien analysieren und somit das Kariesrisiko bestimmen. Bei Verdacht einer versteckten Karies oder von Fehlentwicklungen erstellen wir digitale Bissflügelaufnahmen. Unsere moderne digitale Röntgentechnik arbeitet gegenüber dem klassischen Röntgenverfahren mit einer deutlich reduzierten Strahlendosis, sodass der Organismus des Kindes kaum belastet wird.

Anhand der Untersuchungsergebnisse und der Anamnese besprechen wir mit den Eltern, ob eine Behandlung notwendig wird, aber auch, was sie tun können, um die Mundgesundheit des Kindes zu verbessern. Wir empfehlen:

  • die Vermeidung einer Infektion mit kariesauslösenden Bakterien, indem die Bezugspersonen des Kindes selbst kariesfrei sind und auf eine sehr gute Mundhygiene achten sowie eine Übertragung der Keime durch Speichel ausschließen (z. B. kein Anlecken des Beruhigungs- oder Trinksaugers).
  • die Fluoridgabe nur in Abstimmung mit dem Kinderarzt und dem Zahnarzt vorzunehmen, damit Fluorid nicht überdosiert wird und somit schadet (Dentalfluorose). Fluorid kann in Form von Fluoridtabletten (Kombinationsprophylaxe), fluoridierter Zahncreme mit einem Fluoridgehalt von 0,05 % = 500 ppm oder fluoridiertem Speisesalz zugeführt werden.
  • eine zahngesunde Ernährung von Anfang an, also nur wenige zuckerhaltige Getränke und Speisen, das Naschen als besonderes Ereignis zu einer festen Tageszeit und Vorsicht bei stark säurehaltigen Lebensmitteln wie Fruchtsäften oder Früchtetees, da deren Fruchtsäure den Zahnschmelz entmineralisiert.
  • ein zahngesundes Verhalten, sodass sich Kiefer und Zähne altersspezifisch entwickeln können, zum Beispiel wechselnde Schlafpositionen des Kindes und die Verwendung von Beruhigungssaugern nur bis zum dritten Lebensjahr.
  • eine effektive, regelmäßige Mundhygiene; die Reinigung der Zähne beginnt mit dem ersten Milchzahn. Bis ins Grundschulalter müssen Eltern die Zähne des Kindes nachputzen, da Kinder erst dann die Putztechnik (Rotationstechnik) wirklich beherrschen und alle Zahnflächen im Mund erreichen.
Babyzahnbürste
Kinderzahnbürste

Unser Prophylaxeprogramm

Mit unserem Prophylaxeprogramm fördern wir nachhaltig die gesunde Entwicklung des Kindes, denn es beugt Karies und Zahnfleischerkrankungen effektiv vor. Da die Prophylaxebehandlungen völlig schmerzlos sind, eignen sie sich gut für unsere kleinen Patienten, den Zahnarztbesuch angstfrei zu erleben und alles kennenzulernen. Unsere erfahrenen Prophylaxeassistentinnen helfen ihnen, die richtige Zahnpflege Schritt für Schritt zu erlernen und unterstützen die Eltern bei allen Fragen zur Ernährung, Mundhygiene und zu einem zahngesunden Verhalten. Eine Prophylaxebehandlung umfasst:

  • die Erhebung des Mundhygienestatus; um Zahnbeläge nachzuweisen, nutzen wir Demo-Zahnseide (Geruchstest).
  • eine professionelle Zahnreinigung aller Zahnoberflächen mit Handinstrumenten und Zahnseide sowie gegebenenfalls eine Oberflächenpolitur mit Polierbürstchen.
  • bei Kindern mit hohem Kariesrisiko: die gezielte lokale Anwendung von Fluoridlack. Um die Zahl der kariesauslösenden Bakterien zu reduzieren, tragen wir Chlorhexidinlack auf. Die Häufigkeit dieser Behandlungen richtet sich danach, wie groß die Kariesgefährdung des Kindes ist.
  • eine Putzschule: Kinder ab drei Jahre erlernen die KAI-Technik (KAI = Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen) und üben die Ausstreichbewegung vom Zahnfleisch zur Schneidekante bzw. Kaufläche; besonderes Augenmerk liegt auf den Zahninnenflächen, die für Kinder schwieriger zu reinigen sind. Erst im Vorschulalter, sobald die Feinmotorik weit genug entwickelt ist, können Kinder die rüttelnde und rotierende Bewegung (Rotationstechnik) nachvollziehen.
  • eine Beratung der Eltern zu einer zahngesunden Ernährung und zu den geeigneten Zahnpflege-Hilfsmitteln wie Kinderzahnbürsten, Zahnseide sowie Kinderzahncremes mit und ohne Fluorid und deren korrekter Gebrauch. Auf eventuell vorhandene zahnschädliche Verhaltensweisen wird hingewiesen und es werden Tipps gegeben, wie diese schnellstmöglich abgestellt werden können.
  • Informationen für die Eltern zur allgemeinen Zahngesundheit des Kindes, beispielsweise was sich eignet, um den Durchbruch der Milchzähne zu erleichtern und wie man sich richtig verhält, wenn das Kind einen Zahnunfall erlitten hat.

Hinweise: Eine sehr gute Mundgesundheit der Eltern wirkt sich positiv auf das Kind aus. Wir raten dazu, dass Eltern regelmäßig an der jährlichen Vorsorgeuntersuchung teilnehmen und eine Professionelle Zahnreinigung/PZR mindestens zweimal pro Jahr bei sich durchführen lassen. Für werdende Mütter bieten wir ein ganz auf ihre Bedürfnisse abgestelltes Prophylaxeprogramm.

Mehr Informationen dazu:

Vorsorgeuntersuchung
Professionelle Zahnreinigung/PZR
Prophylaxe für Schwangere

Viele Tipps zur täglichen Zahnpflege bei Kindern, zu einer zahngesunden Ernährung und zum Verhalten im Notfall finden Sie außerdem unter:

Zahnpflege bei Kindern
Ernährung & Zahngesundheit
Verhalten im Notfall

Ab dem sechsten Lebensjahr betreuen wir Ihr Kind in unserem Individualprophylaxeprogramm – über dessen Maßnahmen und die Vorteile einer Fissurenversiegelung der bleibenden Zähne können Sie sich hier informieren:

Individualprophylaxe: 6-17-Jährige
Fissurenversiegelung

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