Parodontologie

Die gesteuerte Geweberegeneration/GTR

Der menschliche Körper besitzt die lebenswichtige Fähigkeit, zerstörtes Gewebe durch neues zu ersetzen. Jeder hat diesen Regenerationsprozess schon einmal beobachtet, wenn sich beispielsweise eine offene Wunde wieder schließt und verheilt. Doch dem körpereigenen, natürlichen Wiederaufbau des Gewebes sind Grenzen gesetzt.

Die Medizin kennt Maßnahmen und Verfahren, die die Gewebeneubildung unterstützen bzw. anregen. In der Zahnmedizin nutzen wir die Möglichkeiten der gesteuerten Geweberegeneration, auch GTR – Guided Tissue Regeneration genannt.

Die Krankheit Parodontitis hinterlässt ihre Spuren

Bei einer schwer verlaufenden Parodontitis wird der gesamte Zahnhalteapparat mit seinen verschiedenen Geweben stark geschädigt:

  • Das Zahnfleisch bildet sich zurück.
  • Der Wurzelzement als äußere Schicht der Zahnwurzel und das knöcherne Zahnfach im Kiefer (Alveolarknochen) werden abgebaut. Es entstehen Knochenkrater.
  • Die kollagenen Faserbündel im Bindegewebe, die den Wurzelzement mit dem Knochen verbinden, werden zerstört.

Ohne einen stabilen Zahnhalteapparat aber besteht die Gefahr, dass der Patient seine Zähne verliert. Um dies zu verhindern, leiten wir die Geweberegeneration mit einer GTR ein.

Bevor wir mit der GTR beginnen können, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Bakterienarten, die die Krankheit verursachten, wurden erfolgreich bekämpft.
  • Die parodontalen Entzündungen im Mundraum sind restlos ausgeheilt, wenn notwendig wurde zuvor entzündetes Gewebe chirurgisch entfernt.
  • Der Patient führt täglich eine sehr gute Mundhygiene durch, damit das Risiko eines erneuten Bakterienbefalls und somit eines weiteren Gewebeabbaus minimiert ist. Hinweis: Bei Rauchern, die trotz überstandener Parodontitis weiterrauchen, ist die Prognose einer Gewebeerholung mittels GTR sehr schlecht.

Die Funktion einer GTR und der Behandlungsablauf

Die verschiedenen Gewebe, aus denen sich der Zahnhalteapparat zusammensetzt, erholen sich nicht in gleichem Tempo. Aufgrund ihrer Funktion Wunden zu verschließen, wachsen die Zellen des schützenden Deckgewebes, d. h. des Zahnfleisches, sehr viel schneller als die Zellen der anderen Gewebearten. Die Zellen des Alveolarknochens, der kollagenen Faserbündel und des Wurzelzements benötigen sehr viel mehr Zeit, um sich zu erneuern. Doch es sind genau diese Gewebearten, die für den sicheren Halt der Zähne sorgen. Damit nun das Zahnfleischgewebe durch sein schnelles Wachstum sich nicht ungehemmt ausbreiten kann und somit die Entwicklung der anderen Gewebearten stört, wird es mithilfe einer Barriere von ihnen getrennt.

Nachdem wir den entsprechenden Bereich betäubt haben, eröffnen wir mit einem kleinen Schnitt das Zahnfleisch und legen die Zahnwurzeloberfläche frei. Alle noch dort befindlichen Ablagerungen wie Zahnstein und Beläge werden von uns abgetragen. Falls sich im Knochen bereits Knochenkrater gebildet haben, füllen wir diese Defekte mit Granulaten auf. Die Granulate bilden eine Leitschiene, an der das Knochengewebe entlang wachsen kann. Das Knochengewebe verwendet beim Aufbau seiner Struktur dann nach und nach die Granulate als eine Art „Baustoff“.

Sobald die Wurzeloberfläche gereinigt und geglättet und die Versorgung von Knochendefekten erfolgt ist, decken wir den eröffneten Bereich mit einer feinen Membran ab. Diese Membran schafft eine Barriere (Barrieremembran) zwischen dem Zahnfleisch und den Oberflächen der Zahnwurzel und des Knochens. In dem gewebefreien Hohlraum, der hierbei entsteht, können sich das Knochengewebe und die kollagenen Faserbündel ungehindert neu bilden. Da wir ausschließlich mit resorbierbaren Membranen arbeiten, die der Körper vollständig abbaut, muss die Membran später nicht entfernt werden.

Abschließend vernähen wir die offene Stelle im Zahnfleisch.

Mit Schmelzmatrixproteinen die Zahnentwicklung nachahmen

Eine weitere Methode zur Geweberegeneration ist die Verwendung von sogenannten Schmelzmatrixproteinen, die in Form von Gelen auf die Zahnwurzeloberfläche aufgebracht werden. In den Gelen sind hochwirksame Schmelzmatrixproteine gebunden; sie sind tierischen Ursprungs. Mit ihnen wird versucht, den ursprünglichen biologischen Prozess der Zahnentwicklung nachzuahmen.

Es sind die Schmelzmatrixproteine, die für die Entstehung des Zahnschmelzes während der Zahnentwicklung beim Menschen verantwortlich sind. Die Fähigkeit dieser Proteine, den Aufbau komplexer Strukturen auszulösen, können wir in der Zahnmedizin nutzen, um die Wachstumsprozesse des Gewebes anzuregen. Die Schmelzmatrixproteine fördern die Zelldifferenzierung des Wurzelzements und die Entwicklung der Gewebestrukturen des Alveolarknochens und der Faserbündel mit ihrem umgebenden Bindegewebe.

Zur Behandlung mit Schmelzmatrixproteinen wird von uns unter Betäubung das Zahnfleisch eröffnet, die Zahnwurzeloberfläche freigelegt und gereinigt. Dann tragen wir das Gel auf die Zahnwurzeloberfläche auf und vernähen die Zahnfleischwunde.

Nachsorge als Erfolgsfaktor

Damit sich das Gewebe des Zahnhalteapparats erholen kann, müssen parodontale Entzündungen unbedingt vermieden werden. Neben der schon angesprochenen sehr guten Mundhygiene, bitten wir unsere Patienten die Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig in Anspruch zu nehmen. Für Patienten mit einer ausgeheilten Parodontitis und für Parodontitis-Risikogruppen, zu denen zum Beispiel Raucher gehören, haben wir ein umfassendes Prophylaxeprogramm eingerichtet.

Mehr Informationen dazu finden Sie hier:

Vorsorgeuntersuchung
Parodontitis-Intensivprophylaxe

Nach oben