Parodontologie

Parodontaldiagnostik: der Krankheit auf der Spur

Jede Erkrankung, unter der unsere Patienten leiden, hat ihre eigene Geschichte. Wichtig für uns Zahnärzte ist daher, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Gerade die Parodontitis zeigt ein sehr differenziertes Krankheitsbild. Die exakte Diagnose ist entscheidend, denn nur wenn alle krankheitsauslösenden Faktoren erkannt werden, kann die Behandlung der Parodontitis erfolgreich sein. Die Ergebnisse, die wir aus der Diagnose gewinnen, helfen auch unseren Patienten ihre Lebensgewohnheiten positiv zu verändern. Wir können ihnen zeigen, wie wir gemeinsam mit ihnen die Gesundung herbeiführen werden.

Die Diagnose einer Parodontitis

Die Diagnose einer Parodontitis setzt sich aus der Anamnese, verschiedenen Untersuchungen sowie Testverfahren zusammen.

Die Anamnese

Wir befragen unsere Patienten zu Vorerkrankungen oder dauerhaft bestehenden Grunderkrankungen. Manchmal kann eine Parodontitis eine Folgekrankheit sein oder bestimmte Krankheiten verschlimmern. Wir klären ab, ob der Patient zur Parodontitis-Risikogruppe gehört, wie beispielsweise Diabetiker, Rheumatiker oder Raucher. Genauso bedeutend ist die Frage nach Medikamenten, die der Patient regelmäßig einnehmen muss, denn bestimmte Medikamente können den Verlauf einer Parodontitis negativ beeinflussen. Beim Befund einer chronischen oder aggressiven Parodontitis ist es notwendig, dass wir mit dem Hausarzt oder Internisten des Patienten einen umfassenden Behandlungsplan erarbeiten, in den alle weiteren Krankheitsbefunde mit einbezogen werden.

Die Untersuchung von Zähnen, Gewebe und Knochen

Zuerst untersuchen wir den Mundraum. Wir prüfen den Zustand des entzündeten Gewebes, seine Blutungsneigung und die Ausprägung von Zahnbelägen auf den Zähnen und dem Zahnfleisch. Dabei kontrollieren wir, inwieweit Wurzeloberflächen der Zähne freiliegen oder sogar schon die Gabelungen (Furkationen) von Zahnwurzeln sichtbar sind. Furkationen oder Wurzelgabelungen finden sich bei Zähnen, die mehr als eine Wurzel haben, wie dies bei Backenzähnen der Fall ist. Zeigen sich bereits erste Zahnlockerungen, schließen sich weitere Tests an. Abschließend erstellen wir digitale Röntgenaufnahmen vom Kiefer und insbesondere vom Alveolarknochen, dem knöchernen Zahnfach, das die Zahnwurzel schützt und mit dem zahnumgebenden Gewebe verbunden ist.

Einige wichtige Untersuchungen und Tests im Überblick

Der Parodontale Screening Index (PSI)

Der Parodontale Screening Index – kurz PSI genannt, gibt darüber Aufschluss, wie weit die parodontale Erkrankung vorangeschritten ist. Bei dieser Untersuchung testen wir das Zahnfleisch und messen die Tiefe von Zahnfleischtaschen. Solche Zahnfleischtaschen sind offene Stellen zwischen Zahn und Zahnfleisch, ähnlich einer Spalte. Sie sind Anzeichen für eine Parodontitis. Je tiefer eine Zahnfleischtasche ist, desto schwerer die Erkrankung.

Zur Vorbereitung des PSI wird der Ober- und Unterkiefer in Segmente aufgeteilt. Behutsam wird das Zahnfleisch um jeden einzelnen Zahn mit einer stumpfen Parodontal-Sonde abgetastet. Die Sonde ist mit einer Messskala versehen, an der wir ablesen können, wie tief eine Zahnfleischtasche ist. Die Messergebnisse sind als Codes verschlüsselt:

  • Code 0: das Zahnfleisch ist gesund. Es sind keine bakteriellen Beläge, Zahnstein oder Entzündungen vorhanden.
  • Code 1 bis 2: Anzeichen für eine Gingivitis. Zahnfleischentzündungen bestehen; bei Berührung des Zahnfleischs kommt es zu Zahnfleischblutungen; bakterielle Beläge auf Zähnen und Zahnfleisch sind nachweisbar. Bei Code 2 liegen zusätzlich Zahnstein und eventuell defekte Ränder von Zahnfüllungen vor.
  • Code 3: Zahnfleischentzündungen, Zahnfleischblutungen, Zahnstein und bakterielle Beläge sind feststellbar. Es sind flache Zahnfleischtaschen entstanden. Eine Parodontitis liegt vor.
  • Code 4: Zahnfleischentzündungen, Zahnfleischblutungen, Zahnstein und bakterielle Beläge sind feststellbar. Es sind bereits tiefe Zahnfleischtaschen vorhanden. Eine schwere Parodontitis liegt vor.
Stumpfe Sonde zur Ermittlung des PSI
Messskala an der Sonde

Die Florida Probe

Das Verfahren mit der Florida Probe entspricht in seinem Vorgehen dem des Parodontalen Screening Index. Auch hier wird mit einer stumpfen Sonde äußerst vorsichtig das Zahnfleisch rund um den Zahn getestet. Das Besondere jedoch hierbei ist, dass die Ergebnisse der Parodontal-Sonde auf einen Computer übertragen werden und so für den Patienten anschaulich dargestellt werden können, was uns wiederum bei der Erläuterung unterstützt. Für jeden Zahn mit seinem umgebenden Zahnfleisch werden detailliert die Daten aufbereitet und visualisiert:

  • Hat sich das Zahnfleisch zurückgebildet? Wenn ja, wie weit?
  • Wurden Beläge und Zahnstein entdeckt? Wenn ja, wo?
  • Gab es Zahnfleischblutungen oder traten Sekrete aus? Wenn ja, wo?
  • Haben sich Zahnfleischtaschen gebildet und wie tief sind diese?

Unsere Patienten erhalten diese Ergebnisse am Ende der Untersuchung ausgedruckt. Während der späteren Behandlung und Nachsorge wiederholen wir das Verfahren mit der Florida Probe. So lässt sich der Erfolg unserer Behandlung und der persönliche Einsatz des Patienten sichtbar nachvollziehen. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Auswertung der Ergebnisse unseren Patienten hilft und sie anspornt, ihr eigenes gesundheitsschädigendes Verhalten zu ändern und ihre Mundhygiene zu verbessern.

Sonde der Florida Probe
Der Parodontal-Befund mit der Florida Probe

Der Papillen-Blutungs-Index (PBI)

Der Papillen-Blutungs-Index ist ein ergänzender Test, in dessen Zentrum die Papille steht. Die Papille oder Interdentalpapille ist Teil des Zahnfleisches und füllt den Zahnzwischenraum aus. Am besten kann man den Bereich der Papille mit Zahnseide erreichen, wenn man bei der täglichen Zahnpflege den Faden mit sanftem Druck an den Zähnen im Zahnzwischenraum zum Zahnfleisch führt. Bei parodontalen Erkrankungen ist die Papille stark zurückgebildet und anfällig für Blutungen.

Um dies festzustellen, kommt wieder eine Sonde zum Einsatz: Sanft wird die Papille gereizt. Reagiert sie darauf mit einer Blutung, können wir anhand der Art und Weise, wie sich diese Blutung zeigt, feststellen, wie stark das Gewebe im Zahnzwischenraum geschädigt ist.

Mikrobiologischer Test/Bakterientest

Bei einer schweren und/oder chronischen Parodontitis, die mit Allgemeinerkrankungen verbunden ist, führen wir weitere mikrobiologische Tests durch. Die Testergebnisse benötigen wir für die Intensivtherapie mit Antibiotika. Äußerst aggressive Bakterienarten können in den Zahnfleischtaschen einen widerstandsfähigen und bösartigen „Bakteriencocktail“ erzeugen, der das Immunsystem des Patienten erheblich schwächt. Mittels des Bakterientests werden im Labor die einzelnen Bakterienarten isoliert. Nachdem wir genaue Kenntnis darüber erhalten haben, welche Arten für die Parodontitis verantwortlich sind, bekämpfen wir diese gezielt.

Von den Diagnoseergebnissen zur Therapie

Nach der Diagnose erstellen wir für den Patienten einen Behandlungsplan, mit ihm wird die Parodontaltherapie eingeleitet.

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