Prophylaxe

Fissurenversiegelung bei Kindern und Jugendlichen – effektiver Schutz gegen Karies


Die Fissuren- und Grübchenkaries

Karies bei Kindern und Jugendlichen tritt am häufigsten an den Kauflächen der bleibenden Backenzähne auf. Grund dafür ist ihre zerklüftete, schwer zu reinigende Oberflächenstruktur: feinste Rillen – dünner als ein Haar – verlaufen zwischen den erhöhten Zahnhöckern. Diese Rillen nennt man Fissuren; die Vertiefungen, an denen sich die Fissuren kreuzen, werden als Grübchen bezeichnet. Fissuren und Grübchen können sehr tief sein. Bakterieller Zahnbelag, der Karies auslöst, lagert sich schnell in ihnen an, denn die Borsten der Zahnbürste und die Zahncreme erreichen diese tiefen Stellen nicht. Die Fluoride in der Zahncreme können deshalb dort den Zahnschmelz nicht ausreichend remineralisieren. Gerade in den Fissuren und Grübchen ist die Remineralisation jedoch besonders wichtig: zum einen härtet die Zahnschmelzschicht hier erst später aus, zum anderen ist sie viel dünner als auf den Zahnhöckern, was das Kariesrisiko noch zusätzlich erhöht.

Eine Fissurenversiegelung beugt Karies vor

Eine Fissurenversiegelung wirkt dieser Kariesgefahr am effektivsten entgegen: sie verschließt die Fissuren und Grübchen, damit in diesen empfindlichen Bereich der Kauflächen keine Kariesbakterien mehr eindringen können. Für junge Patienten mit einem hohen Kariesrisiko ist die Fissurenversiegelung eine der wichtigsten Maßnahmen der Individualprophylaxe.

Fissuren und Grübchen eines neuen bleibenden Zahnes erkranken an Karies zumeist in den ersten Jahren. Darum sollte eine Fissurenversiegelung kurz nach Abschluss des Zahndurchbruchs vorgenommen werden: bei den ersten bleibenden großen Backenzähnen zwischen dem sechsten und achten Lebensjahr und den zweiten großen Backenzähnen zwischen dem 11. und 13. Lebensjahr. Ist das Kariesrisiko des jungen Patienten sehr hoch, können außerdem die Fissuren der kleinen Backenzähne und die Grübchen der Eck- und Frontzähne versiegelt werden.

Die präventive und die erweiterte Fissurenversiegelung

Vor einer Fissurenversiegelung untersuchen wir die Kauflächen der zu behandelnden Zähne. Ist der Zahnschmelz der Fissuren und Grübchen weiß oder braun verfärbt, ermitteln wir mithilfe des Laserfluoreszenzverfahrens und digitaler Bissflügelaufnahmen, ob eine Fissurenversiegelung noch möglich ist. Eine Verfärbung weist auf Karies hin. Sollte sie schon bis zum Zahnbein (Dentin) vorgedrungen sein, können die Fissuren und Grübchen des betreffenden Zahnes nicht mehr versiegelt, sondern müssen stattdessen mit einer Füllung versorgt werden.

Die präventive Fissurenversiegelung wird an unverfärbten, kariesfreien Fissuren und Grübchen der bleibenden Zähne vorgenommen und zwar unmittelbar nachdem ihr Durchbruch abgeschlossen ist.

Die erweiterte Fissurenversiegelung erstreckt sich auf verfärbte Fissuren und Grübchen der bleibenden Zähne, deren Zahnschmelz leicht entmineralisiert ist. Sie kann in den ersten vier Jahren nach dem Durchbruch durchgeführt werden.

So läuft die Behandlung ab:

Für eine präventive Fissurenversiegelung reinigen wir vorab die Fissuren und Grübchen mit speziellen Bürstchen oder dem Air-Flow-Verfahren. Im Fall einer erweiterten Fissurenversiegelung muss zuerst der entmineralisierte, verfärbte Zahnschmelz durch Beschleifen schonend entfernt werden.

Bei beiden Arten der Fissurenversiegelung legen wir die zu behandelnden Zähne anschließend trocken. Die vorbereiteten Fissuren und Grübchen werden mithilfe eines Säuregels chemisch angeraut. In die dadurch veränderte Zahnschmelz-Oberfläche kann der Versiegler sehr gut eindringen und sich so mit dem Zahnschmelz hervorragend verbinden. Danach entfernen wir das Säuregel und den gelösten Zahnschmelz, trocknen die Fissuren und Grübchen und tragen das Versiegelungsmaterial auf. Als Fissurenversiegler nutzen wir Kunststoffe: Diese speziellen fließfähigen Komposite werden nach einer kurzen Einwirkzeit durch Lichtbestrahlung ausgehärtet.

Ist die Härtung des Versieglers abgeschlossen, überprüfen wir, ob die Zähne in Ober- und Unterkiefer wieder einwandfrei ineinanderpassen. Gegebenenfalls schleifen wir die Fissurenversiegelung etwas ein. Wir polieren sie, damit ihre glatte, randschlüssige Fläche verhindert, dass sich Zahnbelag festsetzen kann. Zum Abschluss schützen wir die versiegelten Zähne mit einem Fluoridpräparat.

Hinweis: Defekte Fissurenversiegelungen können repariert beziehungsweise erneuert werden. Regelmäßig durchgeführte Kontrolluntersuchungen alle sechs Monate garantieren, dass alle Fissurenversiegelungen intakt und so eine der besten Schutzmaßnahmen gegen Karies der Kauflächen sind.

Weitere Informationen zur Individualprophylaxe für Kinder und Jugendliche finden Sie hier:

Individualprophylaxe: 6–17-Jährige
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