Prophylaxe

Parodontitis-Intensivprophylaxe für Patienten mit erhöhtem Parodontitisrisiko

In unserem Programm „Parodontitis-Intensivprophylaxe“ führen wir die wirkungsvollen Prophylaxe-Maßnahmen mit einer gezielten Gesundheitsförderung zusammen.

Eine Parodontitis wird durch bestimmte Bakterienarten ausgelöst, die sich im Zahnbelag vermehren. Sie rufen eine Immunreaktion hervor, bei der das zahnumgebende Gewebe und der Knochen zerstört werden. Häufig hat die Parodontitis weitreichende Folgen für den Organismus. Am deutlichsten zeigt sich das an den fatale Wechselwirkungen mit anderen Erkrankungen bzw. Vorerkrankungen.   

Informationen zum Thema Parodontitis finden Sie hier:

Gingivitis & Parodontitis

Unser Programm im Rahmen der Nachsorge (Recall): Die Parodontitis-Intensivprophylaxe ist für Patienten entwickelt worden, bei denen eine Parodontitis schon einmal vorlag und die im Rahmen der Nachsorge von uns betreut werden. Es bleibt zu betonen, dass jedes Nachsorgeprogramm gleichzeitig eine Vorsorge ist, mit der eine erneute Erkrankung des Patienten verhindert wird.

Unser Programm als Vorsorge bei erhöhtem Parodontitis-Risiko: Die Parodontitis-Intensivprophylaxe bietet Patienten, die ein erhöhtes Parodontitis-Risiko tragen, einen sicheren Schutz vor bakteriellen Entzündungen. Zur Risikogruppe gehören unter anderem: Raucher; Patienten mit Diabetes mellitus, deren Blutzuckerwert schlecht eingestellt ist; Patienten mit einer Nierenerkrankung, einem Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen; des Weiteren Patienten, deren Immunsystem geschwächt ist und Patienten, die einer starken Stressbelastung ausgesetzt sind. 

Wie oft die Parodontitis-Intensivprophylaxe durchgeführt werden muss, hängt vom Zustand des zahnumgebenden Gewebes, der Mundhygiene und vom persönlichen Risiko des Patienten ab. Daher variieren von Patient zu Patient die Zeitabstände, die zwischen den Prophylaxebehandlungen liegen. In der Regel wird bei erhöhtem Risiko nach zwei bzw. drei Monaten die Behandlung wiederholt, bei guter Prognose alle sechs Monate.  

Eigenverantwortung – ein Baustein im Kampf gegen Parodontitis

Wer eine Parodontitis hatte, weiß, wie wichtig es ist, die Mundhygiene grundlegend zu ändern. Jede parodontale Behandlung durch den Zahnarzt muss scheitern, wenn der Patient nicht kontinuierlich mitarbeitet. Ein entscheidender Faktor im Kampf gegen Parodontitis ist die gründliche und regelmäßige Reinigung der Zähne, des Zahnfleischs und der Zahnzwischenräume, die der Patient selbst vornimmt. Damit es unseren Patienten gelingt, eine sehr gute Mundhygiene durchzuführen, finden wir für sie die geeigneten Hilfsmittel, denn gerade älteren Patienten mit rheumatischen Erkrankungen und einer eingeschränkten Beweglichkeit der Finger fällt es oft schwer eine gute Mundhygiene umzusetzen. Bei anderen Patienten wiederum werden zahnärztliche Korrekturen erforderlich, wenn beispielsweise schlecht sitzende Füllungen oder Kronen es unmöglich machen, die Zahnzwischenräume mit Zahnseide bzw. Interdentalraumbürstchen zu reinigen.

Genauso bedeutend ist, dass der Patient gewebeschädigende Gewohnheiten konsequent abstellt. Das betrifft vor allem das Rauchen als einen der Hauptrisikofaktoren für Parodontitis.

Die einzelnen Maßnahmen der Parodontitis-Intensivprophylaxe

Untersuchung von Zähnen und zahnumgebendem Gewebe: Zuerst untersuchen wir den gesamten Mundraum. Dabei prüfen wir, inwieweit sich bakterielle Beläge auf Zähnen und Zahnfleisch gebildet haben und ob das Gewebe bereits erste Entzündungsreaktionen zeigt. Unsere Aufmerksamkeit gilt in diesem Zusammenhang den Zahnzwischenräumen und den Zahnfleischtaschen – das heißt den Spalten, die durch Abbauprozesse zwischen Zahnfleisch und Zahn entstanden sind. Die Tiefe dieser Spalten lässt Rückschlüsse auf den Gewebezustand zu. Wird die Mundhygiene vernachlässigt, kann sich in den Zahnfleischtaschen schnell bakterieller Biofilm und Zahnstein ansammeln. Selbst nach Ausheilung einer Parodontitis bleibt ein, wenn auch nicht mehr so tiefer, Spalt (Resttasche) zurück.

Tests zur Mundhygiene: Wir nehmen verschiedene Tests zum Gesundheitszustand der Zähne und des Zahnfleischs vor. Dazu gehören: der Anfärbtest, der bakterielle Belägen auf den Zahnoberflächen sichtbar macht; der Approximalraum-Plaque-Index (API), mit dem Beläge in den Zahnzwischenräumen nachgewiesen werden und der Papillen-Blutungs-Index (PBI), der die Blutungsneigung des Zahnfleischs im Zahnzwischenraum anzeigt. Anhand dieser Tests erläutern wir unseren Patienten, wo eventuell noch Schwachstellen bei der täglichen Mundhygiene bestehen und wo sich Bakteriennischen im Mundraum befinden.

Entfernung der harten und weichen Beläge: Mithilfe von Handinstrumenten, Ultraschallgeräten und dem Air-Flow-Verfahren befreien wir alle Zahnoberflächen und den Zahnfleischsaum von Plaque und Zahnstein. Insbesondere die Zahnflächen im Zahnzwischenraum und die Ränder von Füllungen oder Zahnersatz werden von uns sorgfältig gereinigt. Hierbei kommen auch Hilfsmittel aus der täglichen Zahnpflege wie Interdentalraumbürstchen und unterschiedliche Zahnseiden zum Einsatz. Wir demonstrieren unseren Patienten, wie sie diese Hilfsmittel zuhause richtig gebrauchen, um einer Bakterienbesiedelung in verborgenen Nischen entgegenzuwirken.

Zur Entfernung der bakteriellen Beläge aus den tiefen Zahnfleischtaschen und auf den freiliegenden Wurzeloberflächen nutzen wir Handinstrumente und das Perio-Flow-Verfahren des Air-Flow-Master®. Dabei wird die schmale Düse des Perio-Flow-Handstücks behutsam in die Zahnfleischtasche eingeführt. Sie versprüht ein verwirbeltes Gemisch aus Wasser und dem extra feinkörnigen Air-Flow-Pulver Perio, das den bakteriellen Biofilm von allen Gewebeoberflächen löst. Gleichermaßen unterstützt diese Behandlung die Geweberegeneration: Die Tiefe der Zahnfleischtaschen vermindert sich und das Gewebe erholt sich insgesamt.

Perio-Flow-Verfahren mit dem
Air-Flow-Gerät
Hilfsmittel zur Zahnpflege

Messung der Zahnfleischtaschentiefe: Ein Diagnoseinstrument zur Früherkennung von parodontalen Erkrankungen ist der Parodontale Screening Index (PSI). Bei dieser Messung wird mit einer stumpfen Sonde die Tiefe der Zahnfleischtaschen ermittelt. Das Ergebnis gibt darüber Auskunft, wie stark das Gewebe geschädigt ist und in welchem Umfang die Zahnwurzeloberflächen bereits freiliegen.

Ein anderes diagnostisches Verfahren ist die Florida Probe. Mit ihr können wir die Mess- und Testergebnisse auf dem Monitor des Computers darstellen: die Beläge auf den einzelnen Zähnen, die Tiefe der Zahnfleischtaschen, die Blutungsneigung des Zahnfleischs und spezifische Veränderungen des Gewebes. Wir erklären unseren Patienten ausführlich, wie die Ergebnisse zustande gekommen sind und geben ihnen den Auswertungsbogen nach jeder Prophylaxesitzung mit nach Hause. So wissen unsere Patienten genau, welchen Stellen im Mundraum sie besondere Beachtung schenken müssen. Doch noch wichtiger ist, dass sie ihre Erfolge und erreichten Ziele mit jeder Veränderung auf dem Auswertungsbogen ablesen können. Viele Patienten fühlen sich dadurch motivierter. Sie wissen, dass sie selbst Einfluss auf ihre Gesundheit nehmen und der Krankheit Parodontitis nicht „hilflos ausgeliefert“ sind .

Stumpfe Sonde zur Ermittlung des PSI
Der Parodontal-Befund mit der Florida Probe

Polieren der Zahnoberflächen und Remineralisierung der Zähne: Mit Poliergeräten und fluoridhaltigen Pasten glätten und polieren wir die sauberen Zahnoberflächen und die Ränder der Zahnversorgungen (Füllungen, Kronen etc.). Denn auf glatten Oberflächen kann sich bakterieller Biofilm kaum festsetzen. Nach einer letzten Kontrolle tragen wir zur Remineralisierung und zum Schutz der Zähne eine Calciumphosphat-Creme, deren Kombination mit Fluorid oder ein Fluoridpräparat auf.

Selbstverständlich wird herausnehmbarer Zahnersatz (Brücken, Prothesen) ebenfalls gereinigt und poliert und danach wieder eingesetzt.

Beratung: In einem abschließenden Gespräch geben wir unseren Patienten Hilfestellungen, wie sie positiv auf ihre Mundgesundheit einwirken können: die richtige Putztechnik und Zahnpflege, die individuell passenden Zahnpflege-Hilfsmittel und Tipps zu einer gesunden ausgewogenen Ernährung.

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